Colos
Ende einer Odyssee - Nach Jahren der Flucht ist Atdhe Gashi angekommen. Seit Oktober 2008 lebt der Kosovo-Albaner legal in Deutschland, das er nun als seine endgültige Heimat bezeichnen kann. Der Weg, der hinter ihm liegt, war lang und beschwerlich. Als kleines Kind verkaufte er im Alter von 10 auf dem Schwarzmarkt in Prizren Zigaretten, um seine Familie finanziell zu unterstützen. Zu den Alltagssorgen kam der Ausbruch des Kosovokriegs 1999. Im Winter flüchtete er daraufhin mit seiner Familie in die Tschechoslowakei, um anschließend mit einer Schlepperbande über die Berge nach Deutschland zu gelangen. Da war er 13 Jahre alt.
Den Großteil seiner Jugend verbrachte er anschließend unter teilweise unwürdigen Bedingungen in verschiedenen Asylantenheimen in Ostdeutschland. Dort bekam er zu spüren, was es heißt nicht gewollt zu sein. Mehrmals wurde er aus Deutschland abgeschoben, kehrte aber immer wieder zurück. Trotz aller Rückschläge und einem ständigen Leben in Unsicherheit, schaffte er es im Alter von 19 in die deutsche Karate-Nationalmannschaft und kämpfte im Ausland für Deutschland. Als seine Aufenthaltsgenehmigung - trotz längst erfolgter Integration - nicht verlängert wurde, beschloss der Kosovo-Albaner 2005 in Berlin unterzutauchen. Was folgte waren drei Jahre in völliger Anonymität, bis er sich im November 2007 den Behörden selber stellte, um sich eine legale Zukunft in Deutschland aufzubauen. 10 Monate verbrachte er anschließend bei seiner Familie im Kosovo. Nun hält er seine Aufenthaltserlaubnis in den Händen. Wenn Colos heute daran zurückdenkt, wie er im Winter in Bussen und Bahnen übernachtete, ständig seinen Unterschlupf wechselte und manchmal nur mit sehr viel Glück Personenkontrollen entgehen konnte, kommt ein Lächeln über sein Gesicht. Erst jetzt kann er sich frei bewegen.
Trotz all dem Leid und Verderben, das er schon in jungen Jahren durch den Krieg miterleben musste, hat er es geschafft sein Leben zu ordnen. Trotz widriger Umstände in der Vergangenheit als Illegaler ist er nun dabei, sich eine Zukunft in Deutschland aufzubauen. In Berlin verdient er neben seiner Musik inzwischen sein Geld legal in der Sicherheitsbranche.
Da er selber in Armut aufwuchs, war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, die Leitung des Workshops für Rap-Musik im Berliner Kinder- und Jugendhilfswerk DIE ARCHE zu übernehmen. Hier kümmert er sich um Kinder und Jugendliche, die - wie er - in frühen Jahren schon auf vieles im Leben verzichten müssen. Das wichtigste, sagt Colos, was die Jugendlichen brauchen, ist jemand der ihnen zuhört, der sie ernst nimmt, ihnen aber auch Grenzen aufzeigt. Mittlerweile werden seine Liedtexte in Bayern und Baden-Württemberg sogar als Unterrichtsmaterial für Lehrer verwendet.
Bereits in Kindesalter war Colos über seinen Onkel mit der politischen Rap-Musik der amerikanischen Westküste in Kontakt gekommen. Sein erstes eigenes Album „Leben im Exil“ (2007) entstand während der illegalen Zeit in Deutschland und wurde zum erfolgreichsten Newcomer 2007 beim Vertriebsriesen Groove Attack. Es erzählte seine bewegende Geschichte - nicht in jeder Einzelheit - aber mit vielen kleinen Hinweisen. Nur wer genau hinhört kann ahnen, dass Colos eigentlich nicht in Deutschland sein durfte, während sein Name in den Schlagzeilen auftauchte. Schnell wurde Musik zu einer Perspektive.
Inzwischen hat er auch die Frau fürs Leben gefunden. Zusammen bewohnen sie eine Altbauwohnung in Berlin-Neukölln. Im März 2010 erwarten beide ihr erstes Kind. Seiner Frau, die in den dunklen Tagen der Abschiebung immer zu ihm stand, hat er auch die erste Single des neuen Albums „Independent“ gewidmet: „Mein Leben lang“. Das dazugehörige Video wurde von MySpace Deutschland präsentiert und binnen weniger Stunden von über 40.000 Menschen gesehen.





